Unser Club bietet zur Verbesserung der Flugsicherheit diverse Veranstaltungen an. Dazu gehört dieses Jahr auch ein G-Force Training, welches im März beim Team G-Force in Dallenwil stattgefunden hat. 10 Clubmitglieder haben vom Angebot profitiert und dabei wertvolle Erfahrungen gemacht sowie das Fachwissen erweitert. Nach dem Training waren sich alle einig: Das Training ist absolut empfehlenswert und hat auch Spass gemacht.
Das Training wurde durch Thomi Ineichen strukturiert und individuell angepasst sowie mit Einschüben von kurzen Theorieblöcken in sehr angenehmer Lernatmosphäre angeleitet. Wir alle durften von seiner grossen Erfahrung in der Durchführung von G-Force Trainings aber auch als langjähriger Gleitschirmpilot maximal profitieren – herzlichen Dank Thomi!
Ziel des Trainings war es, die auftretenden Fliehkräfte, welche z.B. beim Abspiralen auf den Körper wirken, zu erfahren sowie Massnahmen zur Verhinderung eines Blackouts (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) zu trainieren. Positive g-Kräfte bewirken eine Umverteilung des Blutes im Körper. Das Blut wird in Richtung Beine gepresst, es resultiert eine Unterversorgung des Kopfes mit Blut und somit Sauerstoffmangel. Der Sehnerv reagiert auf diese Unterversorgung als erstes mit Sehstörungen. Greyout (Verlust des Farbsehens) und Tunnelblick sind Vorboten einer drohenden Bewusstlosigkeit, es bleibt jedoch noch Zeit für Gegenmassnahmen wie z.B. das Ausleiten der Spirale, Anspannen von Rumpf- und Beinmuskulatur oder die Pressatmung. Die beiden letzten Massnahmen verringern sehr wirksam die Umverteilung des Blutes, es können höhere g-Kräfte oder länger andauernde Belastungen vor der möglichen Bewusstlosigkeit ausgehalten werden.
Erwähnenswert: Im Gegensatz zu den normalerweise beim Spiralen auftretenden positiven g-Kräften sind negative g-Kräfte (Gefühl von «leichter werden», das Blut wird in den Kopf gedrückt) viel weniger gut aushaltbar (Redout). Aus diesem Grund führen Kampfpiloten nach unten geöffnete Parabelkurven meistens im Rückenflug durch.
Angefangen bei gut verträglichen 2.5g (2.5-faches Körpergewicht), steigerte Thomi die Belastung bis 3.5g. Dabei löste das ungewohnte Gefühl der erhöhten Beschleunigung den einen oder anderen Jauchzer aus. Nach drei Trainingseinheiten pro Pilot*in folgte eine willkommene Mittagspause im benachbarten Restaurant. Am Nachmittag konnten individuell nach Wunsch bis 7g gesteigert, eine Dauerbelastung von ca. 1-2 Minuten, die Pressatmung oder die Auslösung eines Retterdummies trainiert werden. Um 16:00 war Trainingsschluss und wir traten den Heimweg mit den neu erworbenen Erfahrungen im Pilotenrucksack an. Auch der eine oder andere Körper wusste die verdiente Erholung von Muskeln plus Neukalibrierung des «Kompasses» zu schätzen.
Besonders wertvoll: Für uns alle ist nun das Gefühl hoher Fliehkräfte nicht mehr neu, somit fällt ein Stressor bei einem nötigen Schnellabstieg weg und wir kennen die ersten Anzeichen unseres Köpers auf ein drohendes Blackout und können zeitgerecht entsprechende Gegenmassnahmen einleiten. Zusammen mit dem spezifischen Training von Steilspiralen (z.B. an einem SIKU) ergibt sich eine effiziente Abstiegsmethode vor der man nicht Angst haben muss – das schafft Sicherheit.
Weitere Erkenntnisse:
- Sinkgeschwindigkeiten und daraus resultierende g-Kräfte sind u.a. abhängig vom Schirmtyp bzw. -konstruktion (Lange Leinen bewirken grössere Kräfte als kurze).
- Die Resilienz gegenüber g-Kräften ist sehr individuell und kann mit Training verbessert werden. Auch Körperkonstitution und Tagesform beeinflussen die Verträglichkeit. Z.B. sind ein leerer Magen, eine Erkältung oder Müdigkeit kontraproduktiv.
- Zum Verhindern von Übelkeit und Orientierungsverlust beim Spiralen hilft, einen Punkt zu fixieren (z.B. unterer Stabilo). Im erweiterten Gesichtsfeld sollte trotzdem die Umgebung und andere Gleitschirme beobachtet werden.
- Längeres, schnelles Abspiralen mit hohen positiven g-Kräften (z.B. unter einer saugenden Wolke) wird anstrengend. Am besten erst gar nicht in die Situation kommen.
- Je nach Grösse und Vektor der g-Kraft kann ein einfaches Kopfdrehen oder eine Bewegung mit dem Arm erheblich erschwert werden.
- Anti-G Schirme können g-Kräfte bis zu 40% verringern. Sie sind klein, leicht und im Gurtzeug gut mitzunehmen. Die Handhabung ist einfach und sie können nach Gebrauch selber wieder gepackt werden – absolut empfehlenswert.
- Actionkameras wie GoPros, montiert auf dem Helm, verursachen bei Fliehkräften erheblich grössere Kräfte auf die Hals- und Nackenmuskulatur.
- Ein Verkehrsflugzeug ist von -1g bis +2.5g zertifiziert, einige Teilnehmer haben bis 7g ausgehalten.
Für den Vorstand
Christoph
